Zuhause
22. März 2211
„Oh, keine Sorge. Das fragen die sich jetzt schon“, korrigierte Clarence seinen Mann siegessicher und lehnte sich dabei wohlig dem Kuss auf sein Ohr entgegen. Dass sich Rory und seine Kameraden jetzt schon fragte, wie er an diesen Torfkopf namens Matthew geraten war, war offensichtlich - nur das mit dem besten Anführer aller Zeiten war für diese ganzen Trottel noch nicht absehbar.
Ein erheitertes Schmunzeln hatte derweil von seinen Lippen Besitz ergriffen und hellte das Antlitz des Bären sichtlich auf. Er genoss es mit seinem Mann gemeinsame Zeit zu verbringen. Ihre Unterhaltungen mussten nicht immer tiefgründig sein um ihre Abende zu füllen, noch mussten sie etwas produktives tun oder sich mit Spielen die Stunden vertreiben. Matthew alleine war es, der ihn mit seiner ganzen Art unterhielt, ihn glücklich machte und völlig für sich einnahm.
„Ich glaube nicht, dass du jemals einen runzligen Hintern bekommst. Du bist zu gut in Schuss um im Alter plötzlich schlaff und eingefallen zu werden. Außerdem brauche ich keine Würde, so lange ich den hier haben kann“, widersprechend schüttelte er den Kopf und nahm die Hand von der fremden Taille, um stattdessen lobend auf Cassies Allerwertesten zu klopfen, der so schön warm auf seinem Schoß geparkt war. „Dieses gute Stück hier bleibt so knackig wie eh und je. Wenn uns keiner mehr besuchen will? Umso besser. Dann bleibt mir mehr Zeit mit meinem noch immer gutaussehenden aber mittlerweile gebrechlichen nackten Mann, der alleine nicht mehr von der Wiese hoch kommt.“
Die Vorstellung war so amüsant, dass er sie beide schon jetzt auf der Wiese vor ihrem Teich sehen konnte. Aber bis es so weit war, vergingen hoffentlich noch sehr viele gute Jahre in denen sie nicht dem Alter oder irgendwelchen Gebrechen zum Opfer fielen.
Matthew aus der Nähe musternd, biss er sich schmunzelnd auf die Unterlippe und schob dabei ungeniert seine Finger unter das bisschen Stoff, das der Jüngere am Leib trug. Nicht weit genug um ihn ernsthaft zu begrabbeln, aber ausreichend, damit besagtes Prachtexemplar von einem Hintern in seiner Hand lag und er Cassie neckend in selbigen zwicken konnte, während der Dunkelhaarige mit dem Inhalt des Whiskyglases kämpfte.
„Dieses Gebräu, wie du es nennst, ist eben nichts für zart besaitete feine Akademiker wie dich. Ihr vertragt nur gegorenen Traubensaft und manchmal vielleicht ein bisschen Likör - wenn er denn süß genug ist.“
Cassie aufzuziehen war ihm eine seiner liebsten Beschäftigungen. Dennoch ließ er sich artig das Glas an die Lippen legen und nahm einen fast schon zaghaften Schluck, fast so als müssten sie ernsthaft voreinander das Gesicht wahren und hätten sich noch nie gegenseitig besoffen ins Bett bugsiert.
„Sie wollen mich doch betrunken und gefügig machen, Mister Sky. Das merk ich doch!“, flüsterte Clarence seinem Gegenüber verschwörerisch zu und drängte ihn sich am Gesäß etwas dichter entgegen. Nicht, dass es ihm etwa zuwider wäre wenn sein Mann ihn abfüllte - wie sich kurz darauf bewies, während er auffordernd dem Glas entgegen nickte und es sich von Matthew ein weiteres Mal an die Lippen legen ließ, um einen tieferen Schluck daraus zu nehmen. Früher hatte es ihn nicht weniger gestört als die meisten anderen, wie stark der Alkohol einem in der Kehle brannte und wie wenig Geschmack der Widerwille zu schlucken einem noch über ließ, wenn man sich nicht auf härteren Alkohol einließ. Aber er schmeckte auch nach Jugend. Nach geklautem Selbstgebrannten aus fremden Kellern und nach dem Alkohol den sie flaschenweise auf Festen entwendet hatten, wenn die Erwachsenen bereits getrunken hatten und auf einem Auge blind geworden waren für die Langfingereien ihrer Kinder.
Brummend drängte er seine Nase gegen das Ohr des Jüngeren, der nach Ofenfeuer, Wein und frisch gewaschenem Haar roch. Noch immer konnte er kaum damit aufhören sich an Matthews Gegenwart zu ergötzen, nachdem er so viele Wochen alleine in dieser kleinen Wohnung hier verbracht hatte.
„Vielleicht hättest du damals auf dem Boot auch lieber etwas Whisky in meine Tasse geben sollen statt mir Gemüsesuppe, Moby Dick und weiß der Teufel was einzuflößen, das du noch mit rein gepanscht hast. Dann wäre ich sicher schneller eingeschlafen und hätte dir deine Ruhe gelassen“, wisperte er leise in das Ohr seines Mannes, bevor er einen zarten Kuss auf Cassies Nacken hauchte. „Aber ich hätte nichts dagegen, wenn du mir wie damals brav mein Gläschen anreichst und mich ein bisschen abfüllst. Ich kann dir nur nicht versprechen, dass ich mich dabei so brav benehme wie damals…“

